„Miteinander voneinander lernen“

Eine dankbare Erinnerung an Dietrich Budack

von Horst Gloy

Unser langjähriges Mitglied  und ehemaliger Vorsitzender (von 1994 bis 2001) Dietrich Budack ist nach kurzer Krankheit am 23. Dezember des vergangenen Jahres gestorben.

 

Geboren 1940, begann Dietrich Budack 1979 seinen Dienst am Elise-Averdieck-Gymnasium als Lehrer für Deutsch, Religion und Philosophie.

Er gestaltete die Zusammenlegung dieser Schule mit dem Gymnasium Hartzloh zum Margaretha-Rothe-Gymnasium maßgeblich mit und übernahm dort Mitte August 1987 bis zu seiner Pension im Jahr 2003 die Schulleitung.

 

In den  Jahren seines Schuldienstes hat Dietrich Budack nicht  nur als engagierter Lehrer und Schulleiter gewirkt, sondern er hat -  angesichts der schwierigen Bedingungen für das Fach Religion in vielen Schulen Hamburgs – auch  sehr bald begonnen, sich auf den verschiedenen Ebenen für die Belange dieses Faches einzusetzen:

  • In der „Vereinigung evangelischer Religionslehrer in Hamburg e.V.“ hat er viele Jahre im „Arbeitsausschuss Gymnasium“ mitgearbeitet, ehe er 1994 zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde.
  • 1986  wurde er als Vertreter der Evangelisch-Reformierten Kirche in Hamburg in die Kirchliche Seite der „Gemischten Kommission Schule / Kirche“ berufen und blieb bis 2002 deren Mitglied.
  • Nach der – u.a. von ihm nachdrücklich betriebenen  - Umbenennung unseres Verbandes in „Vereinigung Hamburger Religionslehrerrinnen und Religionslehrer“ (VHHR) vertrat er von 1995 bis 2002 den Hamburger Weg des Religionsunterrichts in der „Arbeitsgemeinschaft evangelischer Erzieher in Deutschland“.
  • Nach seiner Pensionierung blieb er unserem Verband nicht nur passiv verbunden, sondern stellte sich noch bis  2014 als Kassenprüfer zur Verfügung.

 Dietrich Budack hat die Entwicklung des „Hamburger Weges“ in den achtziger und neunziger Jahren zum „Religionsunterricht für alle“ und die damit verbundenen Kontroversen nicht nur begleitet sondern auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen  Funktionen kritisch mitgestaltet. Es muss für ihn  nicht immer leicht gewesen sein, den unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden, z.B.

  • als Reformierter in einer Kommission der Lutherischen Kirche, die sich nur langsam von überholten Vorstellungen  zur Aufgabe schulischen Religionsunterrichts lösen konnte;
  • als Interessenvertreter der Religionslehrerschaft, aber als Schulleiter zugleich zur Loyalität gegenüber der Schulbehörde verpflichtet, z.B. in den  Auseinandersetzungen über die Stundentafel oder  über die Einstellungs-Politik.

Wie hat er das gemacht?  Kaum einer dürfte jemals in Dietrich Budack einem „Funktionär“ begegnet sein. - Seine Markenzeichen waren das Hinhören, das bedächtige Abwägen, die freundliche Beharrlichkeit, die leise Ironie und sein Humor, der Verzicht auf Polarisierung, aber auch das klare Festhalten an dem, was nach seiner Überzeugung Aufgabe der „öffentlichen Schule für alle“ und in ihr eines „ Religionsunterrichts für alle“ sei:  „Miteinander voneinander (zu) lernen“.

 

Dietrich Budack hat zum Religionsunterricht nur wenig Schriftliches hinterlassen. Doch im Gemeindeblatt seiner Reformierten Gemeinde vom Februar 2004 findet sich ein kleiner Artikel, in dem er – man möchte fast sagen: in einfacher Sprache  - beschreibt, was ihm im „Religions-unterricht für alle“ wichtig war und über seine Pension hinaus verheißungsvoll geblieben ist. -

In dankbarer Erinnerung machen wir  unseren Mitgliedern – und nicht nur ihnen - diesen Artikel noch einmal zugänglich:

 

Dietrich Budack: Religionsunterricht für alle                    

 

miteinander voneinander lernen

 

In meiner aktiven Zeit als Lehrer wurde ich von Eltern oft gefragt, ob ihr Kind denn am Religionsunterricht teilnehmen müsse. Anlass für diese Frage war in fast allen Fällen die Sorge,  Religionsunterricht sei Kirche in der Schule, missioniere, könne das Kind den religiösen und kulturellen Wurzeln der Familie entfremden. Dem entgegnete ich: Nein! Wir leben und lernen ja miteinander und möchten daher auch gerne wissen, was der andere denkt und glaubt, so wie Nachbarn gerne etwas voneinander wissen möchten. Und indem wir miteinander und voneinander lernen, erkennen wir immer besser, welche religiöse Heimat uns geprägt hat, woher wir kommen.

Eine Hamburger Lehrerin benutzte dafür vor Jahren einmal folgendes Bild: „ Jede Religion ist ein anderer Fluss, aber alle Flüsse fließen in das eine Meer. Ich wünsche mir, dass jeder an seinem Fluss wohnt, aber die anderen Flüsse auf Reisen kennen lernt und sieht, dass man auch an ihnen wohnen und aus ihnen trinken kann. Das Meer jedoch ist salzig“.

Oft habe ich gerade aus kirchlichen Kreisen das Argument gehört, nur wer „seinen Fluss“ genau kenne, sich seiner religiösen Identität gewiss  und in seinem Glauben gefestigt sei, könne sich unbeschadet dem Anderen, dem Fremden nähern. Aber, frage ich dagegen, ist es nicht so, dass wir alle lebenslang Suchende sind, Lernende, die ihre Identität gerade auch durch die Beschäftigung mit dem Fremden weiter entwickeln, sich ihrer Identität dadurch vielleicht erst bewusst werden ?

 

An den staatlichen Schulen in Hamburg ist der Religionsunterricht ein „Religionsunterricht für alle“. In ihm sind Schülerinnen und Schüler vieler Religionen und Konfessionen vertreten, dazu auch solche, die sich als Atheisten bezeichnen. Wer nun meint, ein solcher Unterricht sei ein „salziges Meer“, tische einen synkretistischen Salat auf, der irrt. Denn jeder wird mit seinem Glauben ernst genommen, ohne zu versuchen, ihn von „seinem Fluss“ zu vertreiben.

Vielmehr bietet dieser Unterricht wie sonst kein anderer den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, über ihre je eigenen Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem, was sie hält und trägt, nachzudenken und darüber miteinander auszutauschen, was sie unter verantwortlichem Handeln verstehen wollen. Er schafft Anlässe dafür, dass Kinder und Jugendliche den Religionen, die das religiöse Leben in Hamburg prägen, aufgeschlossen begegnen, und regt dazu an, sich mit der eigenen religiösen und kulturellen Tradition und derjenigen der Mitschülerinnen und Mitschüler zu beschäftigen. Damit trägt er dazu bei, dass  Menschen unterschiedlichster ethnischer, religiöser und kultureller Herkunft in Frieden und Gerechtigkeit miteinander leben, arbeiten und feiern können.

 

(aus dem Gemeindeblatt der Evangelisch-Reformierten Kirche in Hamburg,  Februar / März 2004)

 

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